Lesekreis Psychoanalyse geht zu Ende

Diesen Mittwoch hatten wir die Vorlesungen 26+27 diskutiert. Diskussionen drehten sich insbesondere um den Narzissmus-Begriff aus Vorlesung 26, der bekanntlich für eine aktuelle Gesellschaftskritik von höchster Bedeutung ist (vgl. etwa „Das Zeitalter des Narzissmus“/Christopher Lasch).

Vom ersten Teil der Vorlesungen verbleibt noch das Kapitel 28, außerdem die „Neuen Folgen“ der Vorlesungen, in welchen Freud u.a. seine Weiblichkeitstheorie darstellt. Wir haben uns darauf geeinigt, die letzten Kapitel in größeren Zügen und zu individuellen Terminen zu besprechen; wer außer den Anwesenden Interesse daran hat, bitte per Email melden!

Ansonsten ist das das offizielle Ende des Psychoanalyse-Lesekreises. Wir bedanken und bei allen TeilnehmerInnen für die spannenden Diskussionen, insbesondere bei allen, die sich an der Vorbereitung der Treffen beteiligt haben! Wir hoffen, dass ihr einige Sachen für euch aus dem Lesekreis mitnehmen konntet, und wünsche noch schöne Semesterferien.

PS: nächstes Semester wird es einen neuen Lesekreis geben, das Thema ist derzeit in Verhandlung! Bei Interesse bitte in zwei Wochen nochmal hier schauen.

Nächster Lesekreis Psychoanalyse 1.3.: Vorlesungen 26+27

Beim letzten Mal hatten wir die Kapitel 24+25 (Gemeine Nervosität + Die Angst) diskutiert. Die zentralen Aspekte schienen uns die Hinweise, dass „die Sexualfunktion nichts rein Seelisches ist, ebensowenig wie etwas bloß Somatisches“ (Kap. 24). Dies eröffnet den Weg dahin, dass psychische Leiden auch körperliche Symptome erzeugen können, ja, die Libido eigentlich nichts rein „psychisches“ ist. Zum anderen Freud Anmerkungen dazu, dass bei der Verdrängung die Inhalte der Vorstellungen unverändert bleiben, aber die an sie gebundenen Affekte sich verändern, und zwar durch Angst ersetzt werden (Kapitel 25). In den Hysterien erscheint z.T. nur dieses abstrakte Angstgefühl, das die Leute unversehens packt, während der dahinterliegende psychische Komplex unsichtbar bleibt.

Beim nächsten Treffen wollen wir die Kapitel 26+27 besprechen:

  • 26 Die Libidotheorie und der Narzißmus
  • 27 Die Übertragung

Beides enthält nochmal wichtige Zusammenhänge, und gerade auf den Narzissmus hatte Freud öfters verwiesen.

Nächstes Treffen: Mi, 22.2., Kapitel 24+25

Heute hatten wir das Kapitel 23 (Die Wege der Symptombildung) besprochen. Hierin gab es eine Rekapitulation der Symptombildung (aus dem Konflikt zwischen Ich und Libido), dann aber einige Neuheiten, insbesondere den Hinweis, dass die Kindheitserlebnisse (Kastrationsdrohung; Entdeckung des elterlichen Geschlechtsverkehrs; „Verführung“ durch erwachsene Person), die die Neurotiker als Grund für ihre Neurose angeben, nicht immer wahr sein müssen; was nicht heißt, so Freud, dass sie immer falsch wären, aber eben auch nicht immer wahr. Phantasie und Realität lassen sich allerdings analytisch — und das ist wichtig — auseinanderhalten, z.B. wenn die Schilderung der Kindheitserlebnisse Aspekte einschließt, die erst späterem Erleben angehören (Freud nennt z.B. Schilderungen des elterlichen Geschlechtsverkehrs, die viel zu detailliert sind, um der kindlichen Erfahrung zu entsprechen).

Eine Diskussion drehte sich um die Frage der „Urphantasien“, mit denen Freud erklärt, dass bestimmte Rückprojektionen immer wieder auftauchen. Hier waren sich alle einig, dass wahrscheinlich gesellschaftliche Verhältnisse hinter dem, was Freud als „ererbte Erlebnisse“ bezeichnet, stehen.

Beim nächsten Mal werden wir die beiden Kapitel lesen + diskutieren:
  • 24: Die gemeine Nervosität
  • 25: Die Angst

Nächster Lesekreis Psychoanalyse: Mittwoch, 15.2., Kapitel 23+24

Beim letzten Mal hatten wir die Kapitel 21+22 diskutiert, die vielleicht zentralen Kapitel zur Sexualität. Längere Diskussionen gab es zur Frage, inwieweit die, schlussendlich auf dem Ödipuskomplex beruhende Sexualität nun gesellschaftlich geprägt ist oder nicht. Obwohl sich viele gesellschaftliche Ursachen für den Ödipuskonflikt angeben lassen, würde die Auflösung ins rein Gesellschaftliche natürlich andererseits die gesamte Psychoanalyse, das Unbewusste etc. über Bord werfen. Es wurde sich am Ende darauf geeinigt, diese Frage auf den weiteren Stufen der Entwicklung weiterzuverfolgen.

Nächsten Mittwoch (15.2.) lesen wir weiter:

  • 23 Die Wege der Symptombildung

  • 24 Die gemeine Nervosität

Nächster Lesekreis Psychoanalyse: Mittwoch 8.2, Kapitel 21+22

Beim letzten Mal hatten wir die Kapitel 18, 19 und 20 besprochen. Eine längere Diskussion entspann sich, wie zu erwarten, auf den letzten Seiten von Kapitel 20 bei der Frage der Sexualität. Wir waren übereingekommen, die beim nächsten Mal fortzusetzen, außerdem die Kapitel 21+22 zu lesen:

21: Libidoentwicklung und Sexualorganisationen
22: Gesichtspunkte der Entwicklung und Regression. Ätiologie

Nächstes Treffen: 1.2., Vorlesungen 18+19+20

Beim letzten Mittwoch wurde die 17. Vorlesung besprochen („Der Sinn der Symptome“), mit Kapitel 18-20 geht’s kommenden Mittwoch weiter:

Kapitel 18 — Die Fixierung an das Trauma, das Unbewusste
Kapitel 19 — Widerstand und Verdrängung
Kapitel 20 — Das menschliche Sexualleben

Nächstes Treffen: Mi, 25.1., Vorlesungen 17+18+19, gute Möglichkeit zum Wiedereinstieg

Letzten Mittwoch haben wir die „Unsicherheiten und Kritiken“ zur Traumdeutung (Kap. 15) und die „Psychoanalyse und Psychiatrie“ (Kap. 16) zusammengefasst und diskutiert.

Kapitel 15 listet vier Einwände gegen die psychoanalytische Traumdeutung:
1. Die Traumdeutung wäre uneindeutig, und daher beliebig. Freud antwortet darauf, dass sich immer wieder zeigt, dass sie zu eindeutigen Ergebnissen führt.
2. Die Ergebnisse der Traumdeutung würden zeigen, dass die Träume an den Haaren herbeigezogenen, irrwitzigen Verknüpfungen bestehen. (Das ist tatsächlich der Fall, so ist eben der Traum.)
3. Kritik an der Traumdeutung von anderen Psychoanalytikern. (Kurze Kritik ihrer Positionen.)
4. Es scheint, als ob die PatientInnen nach einer Weile so träumen, wie es den „Lieblingstheorien ihrer Ärzte“ entspricht. (Das stimmt zum Teil, aber: „Man kann oftmals den Träumer beeinflussen, worüber er träumen soll, nie aber darauf einwirken, was er träumen soll.)

In Kapitel 16 liefert Freud nochmal eine kurze Kritik an der Psychiatrie, die die PatientInnen zwar nach ihren Symptomen einordnete, aber niemals ihnen genauer zuhörte, und daher nie den Sinn der Symptome verstehen konnte. Längere Diskussion hierbei um die Frage, ob bei der Auflösung der Fallgeschichte der ihrem Ehegatten Untreue vorwerfenden Frau nicht eine genauere Untersuchung notwendig gewesen wäre, ob man hier nicht einen gerechtfertigten Grund ausschließen könnte.

Beim nächsten Mal geht es weiter mit den Neurosen, eigentlich dem Kernthema der Psychoanalyse, an dem sie ihren Ausgangspunkt nahm und, so Freud, ihre größten Erfolge zeigen konnte:
Kapitel 17 — Der Sinn der Symptome
Kapitel 18 — Die Fixierung an das Trauma, das Unbewusste
Kapitel 19 — Widerstand und Verdrängung

PS: Falls jemand die letzten Male nicht da war, wäre nächste Woche ein guter Zeitpunkt zum Wiedereinstieg. Die Sache mit den Träumen kann man später nachlesen, die Neurosen ziehen sich jetzt bis zum Ende der „Vorlesungen“, und hier werden tatsächlich die zentralen Begriffe der Freudschen Theorie entwickelt.

Nächster Lesekreis Psychoanalyse: 18.1., Kapitel 15+16+17

Wir hatten heute die Kapitel 13+14 diskutiert, Fragen drehten sich um den Begriff des Unbewussten und die Frage, inwieweit hier nur Kindheitswünsche drin vorkommen oder spätere Veränderungen stattfinden.

Nächsten Mittwoch werden wir die Kapitel 15+16+17 diskutieren: das letzte zum Traum (15), dann den Einstieg in die Neurosen, die ja das eigentliche Kernfeld der Psychoanalyse sind, an dessen Bearbeitung sie entstanden ist.

Nächster Lesekreis Psychoanalyse: 11.01., Vorlesungen 13+14+15

Beim letzten Treffen wurden die Vorlesungen 10, 11 und 12 besprochen. Diskussionen drehten sich bei der 10. Vorlesung um einen Zusammenhang von gesellschaftlichen Verhältnissen und Individualpsyche,
also inwiefern sich erstere in der Traumsymbolik finden lässt und auch die Frage nach gewissen überkulturellen, vielleicht anthropologischen Konstanten, denen Freud auf der Spur war.
Das 11. Kapitel rezipierten wir nicht in großem Maße.

Aus der 12. Vorlesung wurden ausgewählte Traumbeispiele besprochen. Wichtig schien uns dabei der Hinweis Freuds zu sein, die freie Assoziation nicht leichtfertig beiseite zu wischen und durch die Symbolbedeutung zu ersetzen, was nämlich ein „schändlicher Irrtum sei, wie es sich auch am darauf folgenden Beispiel (2.) zeigte.

Aufgrund der geringen Teilnahme beim letzten Mal und der einhellig genannten Wichtigkeit der 13. Vorlesung haben wir beschlossen diese beim nächsten Treffen als erste und in Breite zu diskutieren.
Daneben besprechen wir auch noch die letzten beiden Kapitel (14+15) im zweiten Abschnitt und können uns dann bei den darauffolgenden Treffen dem Studium der Neurosen zuwenden.

Nächster Lesekreis Psychoanalyse am 4.1.2017, Kapitel 10+11+12+13

Beim heutigen Treffen hatten wir die Kapitel 7+8+9 diskutiert, hier eine kurze Zusammenfassung:

Im Kapitel 7 („Manifester Trauminhalt und latente Traumgedanken“) führte Freud erstmals die „Nomenklatur“ bewusst/unbewusst ein, ferner die Differenzierung zwischen „manifestem Trauminhalt“ (was geträumt wird) und „latenten Traumgedanken“, die hinter dem Traum stehen, sein „Sinn“ sind und erst durch Analyse geklärt werden müssen. Im Traum werden die latenten Traumgedanken, der eigentliche Inhalt des Traums, umgearbeitet zum manifesten Trauminhalt, in dem die latenten Traumgedanken nur verzerrt, zusammengezogen, als Anspielung oder auch gar nicht vorkommen. Ein zentrales Thema in diesem Kapitel ist der Begriff des Widerstands, der sich darin zeigt, dass der Träumer/die Träumerin einwendet, dass seine/ihre geäußerten Gedanken „mit der Sache gar nichts zu tun haben“ und sich der sich der Deutung des Traumes widersetzt:

Man versteht, die Arbeit der Traumdeutung vollzieht sich gegen einen Widerstand, der ihr entgegengesetzt wird und dessen Äußerungen jene kritischen Einwendungen sind. Dieser Widerstand ist unabhängig von der theoretischen Überzeugung des Träumers. Ja, man lernt noch mehr. Man macht die Erfahrung, daß eine solche kritische Einwendung niemals recht behält. Im Gegenteile, die Einfälle, die man so unterdrücken möchte, erweisen sich ausnahmslos als die wichtigsten, für das Auffinden des Unbewußten entscheidenden. Es ist geradezu eine Auszeichnung, wenn ein Einfall von einer solchen Einwendung begleitet wird.

In Kapitel 8 („Kinderträume“) zeigt Freud, dass die Träume von Kindern (bis ca. 7 Jahre) im Gegensatz zu den Träumen Jugendlicher und Erwachsener ohne Verzerrung des Inhalts direkte „Wunscherfüllungen“ darstellen. Das Kind träumt, dass sein vom Vortag übrig gebliebener Wunsch in Erfüllung gehen würde. Freud zeigt, dass der Traum, ähnlich wie die Fehlleistung, eine Kompromissbildung zwischen einer störenden und einer gestörten Tendenz sind: die gestörte Tendenz ist der Wunsch nach Schlaf, die störende Tendenz die seelische Beschäftigung mit dem nichterfüllten Wunsch. Der Traum ist der Kompromiss: der Schlaf kann fortgesetzt werden, der Wunsch geht im Traum in Erfüllung. Die Träume Erwachsener unterscheiden sich darin von denen der Kinder, dass hier die Wünsche nicht mehr direkt in Erfüllung gehen, z.T. gar nicht oder nur verzerrt vorkommen, wie Freud anhand einiger Beispiele darlegt.

Kapitel 9 („Die Traumzensur“) widmet sich dann der Frage nach dem Inhalt der Traumarbeit: was genau geschieht in der Umarbeitung der latenten Traumgedanken zum manifesten Trauminhalt? — Eine solche Umarbeitung ist die Traumzensur: diese „beseitigt“ alle anstößigen Inhalte und lässt Leerstellen im Traum (wi in dem sehr anschaulichen Beispieltraum am Eingang des Kapitels) oder ersetzt die anstößigen Inhalte — z.B. gesellschaftlich nicht akzeptierte sexuelle Wünsche — durch andere.

Und so geht es weiter:

  • Wir haben uns geeinigt, dass nächsten Mittwoch kein Treffen stattfindet.
  • Das nächste Treffen ist dann am Mittwoch, 4. Januar, wieder 18:30 im Schumann-Bau 216b
  • Wir haben uns etwas mehr zum Lesen bis dahin vorgenommen, nämlich Kapitel 10+11+12+13 (ca. 60 Seiten).