Nächster Marx-Lesekreis: 28.01., Kapitel 23.1 – 23.4

Auf unserem Treffen am 21.01. besprachen wir die Kapitel 21 zur „Einfachen Reproduktion“ sowie den ersten Unterabschnitt des Kapitels 22 zum „Kapitalistischen Produktionsprozess auf erweiterter Stufenleiter“.

In Kapitel 21 analysiert Marx die Voraussetzungen der kapitalistischen Reproduktion. Wie jede andere Produktionsweise auch, ist die kapitalistische Produktion einerseits stets auch Reproduktion der vernutzten Gebrauchswerte. Andererseits, und das ist ihr spezifisch, muss aber auch das Kapitalverhältnis reproduziert werden, d.h. die fortwährende Verfügbarkeit der Ware Arbeitskraft auf dem Markt, sowie der Wert des Kapitals. Durch die stetige Wiederholung dieses Reproduktionsprozesses ändert sich, so Marx, selbst im Falle dass die Kapitalisten den Mehrwert nicht reinvestieren, sondern ganz verkonsumieren, sein Charakter: einerseits wird offenbar, dass selbst in ihrer bloßen Reproduktion die Arbeiter dem Kapital nützlich sind, und das auf doppelte Weise: (i) indem sie ihre Arbeitskraft reproduzieren, steht diese dem Kapital weiterhin zur Verfügung; und (ii) in ihrer Konsumption tragen sie zur Realisierung des Werts des gesamtgesellschaftlichen Warenkapitals bei. Andererseits zeigt sich, dass nach mehrfacher Iteration des Reproduktionsprozesses alles Kapital „akkumuliertes Kapital, oder kapitalisierter Mehrwert“ ist.

„Der Arbeiter selbst produziert daher beständig den objektiven Reichtum als Kapital, ihm fremde, ihn beherrschende und ausbeutende Macht, und der Kapitalist produziert ebenso beständig die Arbeitskraft als subjektive, von ihren eigenen Vergegenständlichungs- und Verwirklichungsmitteln getrennte, abstrakte, in der bloßen Leiblichkeit des Arbeiters existierende Reichtumsquelle, kurz den Arbeiter als Lohnarbeiter. Diese beständige Reproduktion oder Verewigung des Arbeiters ist die unerlässliche Voraussetzung der kapitalistischen Produktion.“

Im Kapitel 22 betrachtet Marx den Fall, dass nicht der gesamte Mehrwert von den Kapitalisten verprasst wird, sondern zumindest ein Teil davon in zusätzliches Kapital verwandelt, akkumuliert wird. Voraussetzungen für diese Verwandlung gibt es wiederum zweierlei: einerseits (i) müssen bereits die stofflichen Bestandteile des zusätzlichen Kapitals, d.h. Maschinerie, Arbeitsmittel usw., als Teil des in diesem Produktionszyklus hergestellten Mehrprodukts existieren. Andererseits (ii) muss bei gleichbleibenden Bedingungen auch die Anzahl der verfügbaren Arbeitskräfte proportional wachsen. Mit den Bedingungen der Reproduktion des Kapitals, welche die Möglichkeit von Disproportionalität und Krise von jeher schon einschließen, wird sich Marx in Band 2 des Kapitals noch weiter befassen. Wichtig in diesem Unterabschnitt ist noch der „Umschlag der Eigentumsgesetze der Warenproduktion in Gesetze der kapitalistischen Aneignung“. Die Analyse der Ware ging davon aus, dass ein Produkt eigener Arbeit gegen ein fremdes von gleichem Wert getauscht wird. Arbeit war somit in der Analyse Grundlage des Eigentums. Die erweiterte Reproduktion verdeutlicht allerdings den Umschlag dieses Gesetzes: indem sie den Mehrwert durch ihre Arbeit produzieren, den das Kapital sich einverleibt, vergrößern die Arbeiter gleichzeitig die Macht des Kapitals, sich fremde Arbeit anzueignen.

„Eigentum erscheint jetzt auf Seite des Kapitalisten als das Recht, fremde unbezahlte Arbeit oder ihr Produkt, auf Seite des Arbeiters als Unmöglichkeit, sich sein eignes Produkt anzueignen.“

Wichtig ist dabei jedoch, dass das keine Verletzung der Gesetze des Warentausches darstellt, sondern die notwendige Konsequenz ihrer umfassenden Anwendung:

„Erst da, wo die Lohnarbeit ihre Basis, zwingt die Warenproduktion sich der gesamten Gesellschaft auf; aber auch erst da entfaltet sie alle ihre verborgnen Potenzen. Sagen, dass die Dazwischenkunft der Lohnarbeit die Warenproduktion fälscht, heißt sagen, dass die Warenproduktion, will sie unverfälscht bleiben, sich nicht entwickeln darf.“

In unserer Diskussion behandelten wir u.a. die Sachzwanghaftigkeit zur Modernisierung, die aus der Konkurrenz der Einzelkapitale resultiert und das Auftreten von Monopolen (anhand u.a. der Erdölindustrie). Außerdem besprochen wurden das Verhältnis von Produktionspreisen und Wert, und ihrer Darstellung durch Marx.

Beim nächsten Treffen am 28.01. besprechen wir die Unterabschnitte 1-4 des Kapitels 23 zum „Allgemeinen Gesetz der kapitalistischen Akkumulation.“

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