Nächster Lesekreis 24.06.: „Warum wir nicht mit einem ‚durchdachten planwirtschaftlichen Konzept‘ für den Kommunismus werben“

Wir hatten beim letzten Mal zwei Texte zur Novemberrevoultion bzw. zur unmittelbaren Zeit danach diskutiert, von Heinrich Laufenberg und von Otto Rühle. Der Text von Heinrich Laufenberg (Vorsitzender des Hamburger Arbeiterrats) beleuchtet insbesondere das zähe Ringen zwischen der Rätebewegung und der SPD. Hierbei ging es um die Frage, wie die neue Gesellschaft nach dem Zusammenbruch des deutschen Reiches aussehen sollte: Rätedemokratie oder die von der SPD geforderte Volkssouveränität, gegründet in parlamentarische Demokratie und schlussendlich kapitalistische Institutionen. Laufenberg zeigt, wie der Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat anfangs Fortschritte erzielen konnten bei der Neuordnung und Regulierung des gesellschaftlichen Lebens, insbesondere der Nahrungsmittelversorgung nach dem Zusammenbruch. Und wie es dem Rat gelang, schwierige Probleme (Versorgung der Arbeitslosen, Verkürzung der Arbeitszeit) im Konsens zu lösen.

Länger diskutiert wurde am Mittwoch die Frage, ob die vom Arbeiterrat verfolgte (und erstmal erfolgreiche) Strategie, die bestehenden bürgerlichen Verwaltungs- und Beamtenapparate durch beigeordnete Kommissare zu kontrollieren, hinreichend war oder ob nicht eine grundlegende Auflösung dieser auf Befehlsausführung getrimmten Apparate notwendig gewesen wäre. Denn nach Beseitigung der Räte konnten diese Apparate ihren Dienst unter den alten Herren wieder aufnehmen. Hier wäre wahrscheinlich ein radikaleres Umgestaltungsprogramm notwendig gewesen, welches die bisherige Zentralisierung der Macht im Staat (den der Arbeiter- und Soldatenrat nur ersetzte) auflösen müsste zugunsten einer Selbstverwaltung kleinerer Einheiten, Ansätze fanden sich ja z.B. im Anarchist FAQ und bei Castoriadis.

Schlussendlich war die Rätedemokratie aber von zu kurzer Lebensdauer, um sie umfassend zu bewerten. Die von der SPD durchgesetzte Liquidierung der Rätebewegung auf Reichsebene machte auch dem Hamburger Arbeiterrat ein Ende. Hier rächte sich dann, dass ein Großteil der alten Institutionen (Stadtparlament, kapitalistische Produktion) auch unter dem Arbeiter- und Soldatenrat weiter fortgelebt hatte, so dass er bloß von der Macht verdrängt werden musste, um eine bruchlose Rückkehr zum Kapitalismus zu ermöglichen.

Die Diskussion beim Text von Otto Rühle – „Utopie als Stümperei“ – drehte sich um die Gegenargumente, die von den  Zentralfiguren der SPD (Hilferding, Kautsky) gegen eine Sozialisierung der Wirtschaft angebracht wurden. Kautsky und Hilferding bedauern in großen Worten, dass sie ja gern sozialisieren täten, aber die kapitalistische Wirtschaft noch nicht reif sei, vom Krieg zerstört, und jetzt der ungünstigste Zeitpunkt für ein derartiges Unterfangen wäre. Aufgabe der SPD sei erstmal der Wiederaufbau der Wirtschaft des deutschen Reiches — der, wie Rühle anmerkt, aber nicht in den Sozialismus mündete, sondern zu Hitler führte. Rühle weist nach, dass es der SPD an jeder Vorstellung, was eine Sozialisierung ist und wie sie umzusetzen sei, ermangelte, und sie daher notwendig zurück in die bekannten kapitalistischen Bahnen (Gewerkschaften, Arbeiterpartei, usw.) zurücksteuerte.

Beim nächsten Lesekreis lesen wir einen Text vom GSP zur Kritik an Versuchen, den Kommunismus positiv zu bestimmen „Warum wir nicht mit einem ‚durchdachten planwirtschaftlichen Konzept‘ für den Kommunismus werben“. Download: HTML hier, PDF hier.

 

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