Nächster Lesekreis: 8.7., Slavoj Zizek

Beim gestrigen Treffen hatten wir einige Auszüge aus einem Gespräch zwischen Alain Badiou und Peter Engelmann („Philosophie und die Idee des Kommunismus“) diskutiert.

Die Meinungen in der Runde waren gegenüber dem Text eher kritsich. Als problematisch angesehen wurde insbesondere, dass Badiou mit philosophischen, scheinbar ahistorischen Kategorien (Subjekt, Universalismus) operiert, deren gesellschaftliche Konstitution nicht durchschaut wird. Er fällt damit auf eine Philosophie vor Marx zurück, gegenüber der Marx gerade darauf hinwies, dass die philosophischen Meta-Kategorien selbst eine abgetrennte Widerspiegelung realer gesellschaftlicher Verhältnisse sind und durch Analyse letzterer zu verstehen sind.

Problematisch ist dann, dass bei der „Anwendung“ dieser Kategorien auf gesellschaftliche Einzelphänomene (z.B. arabischer Frühling, Umsturz in Ägypten) der eigentliche Inhalt dieser „Umbrüche“ gerade verloren geht – es gibt keinen Unterschied z.B. zwischen der Pariser Kommune und dem Sturz des ägyptischen Präsidenten (und der Installation einer Muslimbrüder-Regierung). Beides ist ein Drang des Individuums zum Universellen, eine partikulare Ausnahme etc. Was eigentlich Badious Aufgabe gewesen wäre, nämlich ein Instrumentarium bereitzustellen, das eine Kritik des Bestehenden ebenso wie eine inhaltliche Bewertung solcher „Umbrüche“ erlaubt – d.h., welches es ermöglicht, zu prüfen, ob sie emanzipatorischen Charakter haben oder nicht – wird damit verfehlt.

Schlussendlich wurde kritisiert, dass Badiou das Moment des Zufälligen und Unvorhersagbaren überhöht (in der Diskussion als „Ontologie des Zufalls“ bezeichnet). Weil in seiner logisch abgeschlossenen Philosophie eigentlich kein Ausstieg aus dem Bestehenden und dessen alles durchziehenden Fesseln möglich ist, kann der „Umbruch“ nur noch als spontanes, abstraktes und nicht vorhersehbares „Ereignis“ vorgestellt werden, hervorgebracht durch’s (außerhalb der Theorie und schlussendlich der Gesellschaft stehende) Individuum. Ob ein „Umbruch“ heute emanzipatorischen Charakter hat oder nicht, wird aber wesentlich abhängig vom Bewusstsein der Leute und von der Bewegung, die auf ihn hinführt, sein, und wird sicher kaum als singuläres „Ereignis“ eintreten.

Positiv wurde allerdings bewertet, dass sich Badiou überhaupt die Mühe macht, in seinem eigentlich abgeschlossenen logischen Denkgebäude die Möglichkeit für einen Umbruch und eine Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu begründen.

Für die nächsten Treffen haben wir uns auf folgenden Fahrplan geeinigt:

  • 8.7.: Text von Slavoj Zizek (wird noch rumgeschickt)

  • 15.7. noch in Verhandlung, aktuelle Vorschläge: Dietmar Dath: Klassenkampf im Dunkeln, oder einen Text aus Bettina Haidinger, Käthe Knittler „Feminitische Ökonomie“ zum Thema andere Gesellschaft/Utopie.

  • 22.7. Annette Schlemm: Schönwetter-Utopien im Crashtest (Text wird noch rumgeschickt, Vortragsfolien hier). + Abschlussdiskussion

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