Archive for the 'Uncategorized' Category

Nächster Lesekreis Psychoanalyse: Mittwoch, 15.2., Kapitel 23+24

Beim letzten Mal hatten wir die Kapitel 21+22 diskutiert, die vielleicht zentralen Kapitel zur Sexualität. Längere Diskussionen gab es zur Frage, inwieweit die, schlussendlich auf dem Ödipuskomplex beruhende Sexualität nun gesellschaftlich geprägt ist oder nicht. Obwohl sich viele gesellschaftliche Ursachen für den Ödipuskonflikt angeben lassen, würde die Auflösung ins rein Gesellschaftliche natürlich andererseits die gesamte Psychoanalyse, das Unbewusste etc. über Bord werfen. Es wurde sich am Ende darauf geeinigt, diese Frage auf den weiteren Stufen der Entwicklung weiterzuverfolgen.

Nächsten Mittwoch (15.2.) lesen wir weiter:

  • 23 Die Wege der Symptombildung

  • 24 Die gemeine Nervosität

Lesekreis „Marx für Fortgeschrittene“ hat angefangen

Beim nächsten Treffen werden wir einen Auszug aus der „Deutschen Ideologie“ diskutieren, weitere Texte siehe Leseplan weiter unten.

Da der Lesekreis einzelne Texte und Bücher behandelt, kann, wer Interesse hat, problemlos dazukommen. Für Termine und aktuellen Textstand bitte per Email melden.

Nächster Lesekreis: 8.7., Slavoj Zizek

Beim gestrigen Treffen hatten wir einige Auszüge aus einem Gespräch zwischen Alain Badiou und Peter Engelmann („Philosophie und die Idee des Kommunismus“) diskutiert.

Die Meinungen in der Runde waren gegenüber dem Text eher kritsich. Als problematisch angesehen wurde insbesondere, dass Badiou mit philosophischen, scheinbar ahistorischen Kategorien (Subjekt, Universalismus) operiert, deren gesellschaftliche Konstitution nicht durchschaut wird. Er fällt damit auf eine Philosophie vor Marx zurück, gegenüber der Marx gerade darauf hinwies, dass die philosophischen Meta-Kategorien selbst eine abgetrennte Widerspiegelung realer gesellschaftlicher Verhältnisse sind und durch Analyse letzterer zu verstehen sind.

Problematisch ist dann, dass bei der „Anwendung“ dieser Kategorien auf gesellschaftliche Einzelphänomene (z.B. arabischer Frühling, Umsturz in Ägypten) der eigentliche Inhalt dieser „Umbrüche“ gerade verloren geht – es gibt keinen Unterschied z.B. zwischen der Pariser Kommune und dem Sturz des ägyptischen Präsidenten (und der Installation einer Muslimbrüder-Regierung). Beides ist ein Drang des Individuums zum Universellen, eine partikulare Ausnahme etc. Was eigentlich Badious Aufgabe gewesen wäre, nämlich ein Instrumentarium bereitzustellen, das eine Kritik des Bestehenden ebenso wie eine inhaltliche Bewertung solcher „Umbrüche“ erlaubt – d.h., welches es ermöglicht, zu prüfen, ob sie emanzipatorischen Charakter haben oder nicht – wird damit verfehlt.

Schlussendlich wurde kritisiert, dass Badiou das Moment des Zufälligen und Unvorhersagbaren überhöht (in der Diskussion als „Ontologie des Zufalls“ bezeichnet). Weil in seiner logisch abgeschlossenen Philosophie eigentlich kein Ausstieg aus dem Bestehenden und dessen alles durchziehenden Fesseln möglich ist, kann der „Umbruch“ nur noch als spontanes, abstraktes und nicht vorhersehbares „Ereignis“ vorgestellt werden, hervorgebracht durch’s (außerhalb der Theorie und schlussendlich der Gesellschaft stehende) Individuum. Ob ein „Umbruch“ heute emanzipatorischen Charakter hat oder nicht, wird aber wesentlich abhängig vom Bewusstsein der Leute und von der Bewegung, die auf ihn hinführt, sein, und wird sicher kaum als singuläres „Ereignis“ eintreten.

Positiv wurde allerdings bewertet, dass sich Badiou überhaupt die Mühe macht, in seinem eigentlich abgeschlossenen logischen Denkgebäude die Möglichkeit für einen Umbruch und eine Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu begründen.

Für die nächsten Treffen haben wir uns auf folgenden Fahrplan geeinigt:

  • 8.7.: Text von Slavoj Zizek (wird noch rumgeschickt)

  • 15.7. noch in Verhandlung, aktuelle Vorschläge: Dietmar Dath: Klassenkampf im Dunkeln, oder einen Text aus Bettina Haidinger, Käthe Knittler „Feminitische Ökonomie“ zum Thema andere Gesellschaft/Utopie.

  • 22.7. Annette Schlemm: Schönwetter-Utopien im Crashtest (Text wird noch rumgeschickt, Vortragsfolien hier). + Abschlussdiskussion

Nächster Lesekreis am 01. 07.: Alain Badiou, „Philosophie und die Idee des Kommunismus“

Bei unserem letzten Lesekreistreffen am 24. 06. diskutierten wir den Text “Warum wir nicht mit einem ‘durchdachten planwirtschaftlichen Konzept’ für den Kommunismus werben”, eine Antwort der Redaktion der Zeitschrift Gegenstandpunkt auf einen Leserbrief, der die Frage aufwarf, ob es von agitatorischem Wert sei, ein Bild der kommenden Gesellschaft anbieten zu können.

Die abschlägige Antwort der Redaktion darauf wurde kontrovers diskutiert. U.a. wurde die Stichhaltigkeit der Argumentation in Frage gestellt, die Frage nach der positiven gesellschaftlichen Ausprägung des Kommunismus sei eine Form der Kritikabwehr. Aber vielleicht, so ein Einwurf, sei der Text auch als Agitationshilfe gegenüber tatsächlichen Versuchen gemeint,  auf solche Art und Weise kommunistische Kritik abzukanzeln.

Darüber wurde der harsche Ton der Antwort an den Leser kritisiert. Ob dieser nun auf der Ablehnung einer nur ideellen Gemeinsamkeit als bürgerlicher Konvention beruht, oder gerade durch seinen Duktus Identität stiften soll, darüber sind wir uns nicht einig geworden.

Für die Diskussion nächste Woche wurde der Text Philosophie und die Idee des Kommunismus von A. Badiou vorgeschlagen. Wir bemühen uns, Euch rechtzeitig einen Ausschnitt zukommen zu lassen.

Nächster Lesekreis 24.06.: „Warum wir nicht mit einem ‚durchdachten planwirtschaftlichen Konzept‘ für den Kommunismus werben“

Wir hatten beim letzten Mal zwei Texte zur Novemberrevoultion bzw. zur unmittelbaren Zeit danach diskutiert, von Heinrich Laufenberg und von Otto Rühle. Der Text von Heinrich Laufenberg (Vorsitzender des Hamburger Arbeiterrats) beleuchtet insbesondere das zähe Ringen zwischen der Rätebewegung und der SPD. Hierbei ging es um die Frage, wie die neue Gesellschaft nach dem Zusammenbruch des deutschen Reiches aussehen sollte: Rätedemokratie oder die von der SPD geforderte Volkssouveränität, gegründet in parlamentarische Demokratie und schlussendlich kapitalistische Institutionen. Laufenberg zeigt, wie der Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat anfangs Fortschritte erzielen konnten bei der Neuordnung und Regulierung des gesellschaftlichen Lebens, insbesondere der Nahrungsmittelversorgung nach dem Zusammenbruch. Und wie es dem Rat gelang, schwierige Probleme (Versorgung der Arbeitslosen, Verkürzung der Arbeitszeit) im Konsens zu lösen.

Länger diskutiert wurde am Mittwoch die Frage, ob die vom Arbeiterrat verfolgte (und erstmal erfolgreiche) Strategie, die bestehenden bürgerlichen Verwaltungs- und Beamtenapparate durch beigeordnete Kommissare zu kontrollieren, hinreichend war oder ob nicht eine grundlegende Auflösung dieser auf Befehlsausführung getrimmten Apparate notwendig gewesen wäre. Denn nach Beseitigung der Räte konnten diese Apparate ihren Dienst unter den alten Herren wieder aufnehmen. Hier wäre wahrscheinlich ein radikaleres Umgestaltungsprogramm notwendig gewesen, welches die bisherige Zentralisierung der Macht im Staat (den der Arbeiter- und Soldatenrat nur ersetzte) auflösen müsste zugunsten einer Selbstverwaltung kleinerer Einheiten, Ansätze fanden sich ja z.B. im Anarchist FAQ und bei Castoriadis.

Schlussendlich war die Rätedemokratie aber von zu kurzer Lebensdauer, um sie umfassend zu bewerten. Die von der SPD durchgesetzte Liquidierung der Rätebewegung auf Reichsebene machte auch dem Hamburger Arbeiterrat ein Ende. Hier rächte sich dann, dass ein Großteil der alten Institutionen (Stadtparlament, kapitalistische Produktion) auch unter dem Arbeiter- und Soldatenrat weiter fortgelebt hatte, so dass er bloß von der Macht verdrängt werden musste, um eine bruchlose Rückkehr zum Kapitalismus zu ermöglichen.

Die Diskussion beim Text von Otto Rühle – „Utopie als Stümperei“ – drehte sich um die Gegenargumente, die von den  Zentralfiguren der SPD (Hilferding, Kautsky) gegen eine Sozialisierung der Wirtschaft angebracht wurden. Kautsky und Hilferding bedauern in großen Worten, dass sie ja gern sozialisieren täten, aber die kapitalistische Wirtschaft noch nicht reif sei, vom Krieg zerstört, und jetzt der ungünstigste Zeitpunkt für ein derartiges Unterfangen wäre. Aufgabe der SPD sei erstmal der Wiederaufbau der Wirtschaft des deutschen Reiches — der, wie Rühle anmerkt, aber nicht in den Sozialismus mündete, sondern zu Hitler führte. Rühle weist nach, dass es der SPD an jeder Vorstellung, was eine Sozialisierung ist und wie sie umzusetzen sei, ermangelte, und sie daher notwendig zurück in die bekannten kapitalistischen Bahnen (Gewerkschaften, Arbeiterpartei, usw.) zurücksteuerte.

Beim nächsten Lesekreis lesen wir einen Text vom GSP zur Kritik an Versuchen, den Kommunismus positiv zu bestimmen „Warum wir nicht mit einem ‚durchdachten planwirtschaftlichen Konzept‘ für den Kommunismus werben“. Download: HTML hier, PDF hier.

 

Zwei interessante Vorträge diese Woche

Wir möchten auf zwei u.U. interessante Veranstaltungen hinweisen:

Di, 12.05.2015: Vortrag von Jörg Huber: Interstellar: Eine kritische Theorie von Gesellschaft, Technik und Fortschritt
http://joerghuber.net/interstellar-eine-kritische-theorie-von-gesellschaft-technik-und-fortschritt/
19:30 im Höhrsaalzentrum der TU Dresden, Bergstraße 64 HSZ/E05/U

Do, 14.05: Vortrag von Bini Adamczak: Geschlechterverhältnisse in der Revolution
http://oatdresden.noblogs.org/post/2015/03/20/14-05-geschlechterverhaeltnisse-in-der-revolution/
20:00 AZ Conni (Rudolf-Leonhard-Str. 39)

Nächster Marx-Lesekreis: 28.01., Kapitel 23.1 – 23.4

Auf unserem Treffen am 21.01. besprachen wir die Kapitel 21 zur „Einfachen Reproduktion“ sowie den ersten Unterabschnitt des Kapitels 22 zum „Kapitalistischen Produktionsprozess auf erweiterter Stufenleiter“.

In Kapitel 21 analysiert Marx die Voraussetzungen der kapitalistischen Reproduktion. Wie jede andere Produktionsweise auch, ist die kapitalistische Produktion einerseits stets auch Reproduktion der vernutzten Gebrauchswerte. Andererseits, und das ist ihr spezifisch, muss aber auch das Kapitalverhältnis reproduziert werden, d.h. die fortwährende Verfügbarkeit der Ware Arbeitskraft auf dem Markt, sowie der Wert des Kapitals. Durch die stetige Wiederholung dieses Reproduktionsprozesses ändert sich, so Marx, selbst im Falle dass die Kapitalisten den Mehrwert nicht reinvestieren, sondern ganz verkonsumieren, sein Charakter: einerseits wird offenbar, dass selbst in ihrer bloßen Reproduktion die Arbeiter dem Kapital nützlich sind, und das auf doppelte Weise: (i) indem sie ihre Arbeitskraft reproduzieren, steht diese dem Kapital weiterhin zur Verfügung; und (ii) in ihrer Konsumption tragen sie zur Realisierung des Werts des gesamtgesellschaftlichen Warenkapitals bei. Andererseits zeigt sich, dass nach mehrfacher Iteration des Reproduktionsprozesses alles Kapital „akkumuliertes Kapital, oder kapitalisierter Mehrwert“ ist.

„Der Arbeiter selbst produziert daher beständig den objektiven Reichtum als Kapital, ihm fremde, ihn beherrschende und ausbeutende Macht, und der Kapitalist produziert ebenso beständig die Arbeitskraft als subjektive, von ihren eigenen Vergegenständlichungs- und Verwirklichungsmitteln getrennte, abstrakte, in der bloßen Leiblichkeit des Arbeiters existierende Reichtumsquelle, kurz den Arbeiter als Lohnarbeiter. Diese beständige Reproduktion oder Verewigung des Arbeiters ist die unerlässliche Voraussetzung der kapitalistischen Produktion.“

Im Kapitel 22 betrachtet Marx den Fall, dass nicht der gesamte Mehrwert von den Kapitalisten verprasst wird, sondern zumindest ein Teil davon in zusätzliches Kapital verwandelt, akkumuliert wird. Voraussetzungen für diese Verwandlung gibt es wiederum zweierlei: einerseits (i) müssen bereits die stofflichen Bestandteile des zusätzlichen Kapitals, d.h. Maschinerie, Arbeitsmittel usw., als Teil des in diesem Produktionszyklus hergestellten Mehrprodukts existieren. Andererseits (ii) muss bei gleichbleibenden Bedingungen auch die Anzahl der verfügbaren Arbeitskräfte proportional wachsen. Mit den Bedingungen der Reproduktion des Kapitals, welche die Möglichkeit von Disproportionalität und Krise von jeher schon einschließen, wird sich Marx in Band 2 des Kapitals noch weiter befassen. Wichtig in diesem Unterabschnitt ist noch der „Umschlag der Eigentumsgesetze der Warenproduktion in Gesetze der kapitalistischen Aneignung“. Die Analyse der Ware ging davon aus, dass ein Produkt eigener Arbeit gegen ein fremdes von gleichem Wert getauscht wird. Arbeit war somit in der Analyse Grundlage des Eigentums. Die erweiterte Reproduktion verdeutlicht allerdings den Umschlag dieses Gesetzes: indem sie den Mehrwert durch ihre Arbeit produzieren, den das Kapital sich einverleibt, vergrößern die Arbeiter gleichzeitig die Macht des Kapitals, sich fremde Arbeit anzueignen.

„Eigentum erscheint jetzt auf Seite des Kapitalisten als das Recht, fremde unbezahlte Arbeit oder ihr Produkt, auf Seite des Arbeiters als Unmöglichkeit, sich sein eignes Produkt anzueignen.“

Wichtig ist dabei jedoch, dass das keine Verletzung der Gesetze des Warentausches darstellt, sondern die notwendige Konsequenz ihrer umfassenden Anwendung:

„Erst da, wo die Lohnarbeit ihre Basis, zwingt die Warenproduktion sich der gesamten Gesellschaft auf; aber auch erst da entfaltet sie alle ihre verborgnen Potenzen. Sagen, dass die Dazwischenkunft der Lohnarbeit die Warenproduktion fälscht, heißt sagen, dass die Warenproduktion, will sie unverfälscht bleiben, sich nicht entwickeln darf.“

In unserer Diskussion behandelten wir u.a. die Sachzwanghaftigkeit zur Modernisierung, die aus der Konkurrenz der Einzelkapitale resultiert und das Auftreten von Monopolen (anhand u.a. der Erdölindustrie). Außerdem besprochen wurden das Verhältnis von Produktionspreisen und Wert, und ihrer Darstellung durch Marx.

Beim nächsten Treffen am 28.01. besprechen wir die Unterabschnitte 1-4 des Kapitels 23 zum „Allgemeinen Gesetz der kapitalistischen Akkumulation.“