Archive for the 'Uncategorized' Category



Nächster Marx-Lesekreis am 17.12.: Arbeitsprozess und Verwertungsprozess, Konstantes Kapital und Variables Kapital

Bei unserem letzten Treffen am 10. Dezember besprachen wir das vierte Kapitel „Verwandlung von Geld in Kapital“. In diesem stellt Marx der Form der einfachen Warenzirkulation, W-G-W, die des Kapitals, G-W-G‘, gegenüber. Hinter diesen unterschiedlichen Formen lauert, so Marx, ein inhaltlicher Unterschied: W-G-W bezeichnet die Veräußerung von Ware zum Zweck des Erwerbs von Mitteln der Bedürfnisbefriedigung, „Konsumtion [ist also ihr] Endzweck“. Im Gegensatz geht „der Kreislauf G-W-G […] dagegen aus von dem Extrem des Geldes und kehrt schließlich zurück zu demselben Extrem. Sein treibendes Motiv und bestimmender Zweck ist daher der Tauschwert selbst.“  Sinn und Zweck der Form G-W-G‘ ist, dass die Geldsumme G‘ = G+ΔG höher als die anfangs investierte Größe G ist; die Differenz ΔG zwischen beiden Größen ist der Mehrwert, und diesen gilt es zu maximieren. Schon seiner Form nach ist die Bewegung des Kapitals maßlos.

Die Frage, die Marx nun aufwirft, ist die, woher dieser Mehrwert denn resultieren kann, wenn doch die allgemeinen Gesetze der Warenzirkulation, wie sie bisher entwickelt wurden, den Austausch von Äquivalenten, also gleichnamigen Werten unterstellen. Die lapidare Lösung der Frage: auf dem Markt muss eine ganz besondere Ware verfügbar sein, welche „die eigentümliche Beschaffenheit [besitzt], Quelle von Wert zu sein.“ Dies ist die Arbeitskraft.  Ihr Gebrauchswert ist, dass sie in ihrer Anwendung — also im Arbeitsprozess — neuen Wert schafft. Ihr Wert hingegegen ist bestimmt durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, die nötig ist, um die Ware Arbeitskraft zu (re)produzieren — also auf den individuellen Arbeiter bezogen durch die notwendigen Lebensmittel, um ihn zu erhalten, andererseits, auf die Gesamtheit der Arbeiter bezogen, durch Ausbildungskosten, Kosten für das Heranziehen einer neuen Arbeitergeneration, etc.

Bedingung dafür, dass die Ware Arbeitskraft in ausreichendem Maße auf dem Markt erscheint, ist die doppelte Freiheit des Arbeiters: einerseits muss er freie Person sein, also über seine Arbeitskraft als Eigentümer verfügen können. Andererseits muss er zur Erhaltung seiner selbst auf nichts anderes als den Verkauf seiner Arbeitskraft zurückgeworfen sein, frei sein also von Möglichkeiten, sich auf eigene Regie sein Leben zu produzieren: er muss frei sein von Produktionsmitteln.

In der gemeinsamen Diskussion erörterten wir die Frage, ob auch unfreie Arbeit — Sklavenarbeit — Mehrwert produziert. Ein paar hilfreiche Punkte dazu finden sich u.E. unter http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_s/sklaven.html. Außerdem sorgte die Bemerkung Marxens, die Zirkulationssphäre sei ein wahres Reich der Freiheit, für Diskussion darüber, ob Marx damit (i) den Begriff der Freiheit an sich kritisiert, (ii) das Ideal der bürgerlichen Freiheit polemisch kontrastiert zu ihrer Realität, oder/und (iii) die Befangenheit der bürgerlichen Vorstellungen über das Kapital durch den Schein der Zirkulation darstellt.

Bei unserem nächsten Treffen (dem letzten im Jahre 2014) wollen wir die Kapitel 5 und 6, Seiten 192-225, besprechen. Wichtig finden wir an diesen Kapiteln vor allem die darin eingeführte Unterscheidung von konstantem und variablem Kapital, welche im Rest des Buches (in der Tat in der ganzen Marxschen Kritik) noch eine große Rolle spielen wird.

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Nächster Marx-Lesekreis 10.12.: Verwandlung von Geld und Kapital

Bei unserem letzten Treffen am 03.12. behandelten wir die beiden Unterabschnitte Zirkulationsmittel sowie Geld des dritten Kapitels.

Das Geld fungiert als Zirkulationsmittel, indem es die einzelnen Tauschakte der Warenbesitzer miteinander vermittelt, die entsprechende Formel dafür ist also Ware – Geld – Ware: der Warenbesitzer verkauft sein Produkt, erhält dafür Geld, und gibt dieses wiederum aus, um Zugriff auf Waren zu bekommen, die seine Bedürfnisse befriedigen. Während so die Waren beständig vom Ort ihrer Produktion über den Markt zu dem ihrer Konsumtion fließen (und dort im Akt der Konsumtion erlöschen), verbleibt das Geld in der Sphäre des Markts — es läuft zwischen den Warenbesitzern im Kreis, zirkuliert. Marx bestimmt die Menge des Geldes, welche zur erfolgreichen Zirkulation aller Waren notwendig ist, und zeigt auf, wie sich durch die Warenzirkulation „ein ganzer Kreis von den handelnden Personen unkontrollierbarer, gesellschaftlicher Naturzusammenhänge“ entsteht, der Mensch also vom Produkt seiner eigenen Hand beherrscht wird. Darüber hinaus wird die Tendenz beleuchtet, das (Gold-)Geld in seiner Funktion als Zirkulationsmittel durch ein bloßes Symbol seiner selbst, das Papiergeld, zu ersetzen.

Das Geld fungiert als Geld, „wo es in seiner […] Leiblichkeit erscheinen muss, […] weder bloß ideell wie im Wertmaß, noch repräsentationsfähig, wie im Zirkulationsmittel“, wo es also als stoffliche Erscheinungsform von gesellschaftlichem Reichtum zählt. Diese Funktion zeitigt es als Schatz, wo es gerade der Zirkulation entzogen und angehäuft wird. Der Verkauf wird in dieser Form, so Marx, zum Selbstzweck, statt den Kauf anderer Waren zum Zweck zu haben, und das Bedürfnis der Schatzbildung, des Anhäufens von abstraktem Reichtum, ist von Natur aus maßlos. Dies wird wichtig, wenn wir später das Kapital behandeln. Weiterhin wird die Funktion des Geldes als Geld im Zahlungsmittel offenbar, welches das zeitliche Auseinanderfallen von Kauf und Verkauf ermöglicht. Dies ist auch die unmittelbare Voraussetzung für das Kreditgeld, welches Wert repräsentiert, welcher erst in Zukunft geschaffen wird. Zu guter Letzt behandelt Marx die Rolle des Weltgelds.

In der Diskussion versuchten wir die Fragen zu klären, wie das heutige Geld, welches nicht mehr ans Gold gekoppelt ist, begriffen werden kann, sowie welche Rolle das heutige Weltgeld — der US-Dollar — innehat. Wichtig scheint für beides der Begriff des Kreditgelds.

Bei unserem nächsten Treffen am 10.12. geht es endlich ans Eingemachte: im Kapitel Die Verwandlung von Geld in Kapital“ wird die Frage aufgeworfen, wie es auf Grundlage der bisher entwickelten Gesetze des Warentausches, in welchem Gleiches mit Gleichem getauscht wird, denn eigentlich ohne Beschiss möglich ist, dass sich auf gesamtgesellschaftlicher Ebene Geld akkumuliert wird. Die Frage ist also die nach der Möglichkeit des Kapitals, also von „Geld heckendem Geld“. Die Antwort findet sich auf den Seiten 161-191.

Jahresabschlusstreffen nach letztem Marx-Lesekreis

Da wir uns am Mittwoch das letzte Mal für dieses Jahr sehen werden, werden wir im Anschluss an den Marx-Lesekreis noch was trinken gehen.

Wir würden uns freuen, wenn ihr dabei seid!